„Um tun zu können ist es nötig, zu sein. Zuerst aber muss man verstehen, was es bedeutet, zu sein. – Georg Gurdjieff

Was bedeutet es, zu sein?
Sehe ich durch die Windschutzscheibe vor meinem Kopf hindurch, während ich die vom Tage geforderten Pflichten erfülle – Frühstück essen, Telefongespräche führen, auf der Computertastatur tippen – oder wandern meine Gedanken ganz woanders herum währenddem sich mein Vehikel im Autopilot fortbewegt?
Der Autopilot genügt für das Navigieren durch einen Tag ohne Ziele. Die Konsequenzen des Nichtseins werden erst augenfällig, wenn ich mir ein Ziel setze. Zu diesem Zweck muss eine meiner Hände das Steuerrad für mein intellektuelles Zentrum umfassen, die andere Hand den Schalthebel des für Bewegungen und Instinkte zuständigen Zentrums führen sowie ein Fuss das Gaspedal meines emotionalen Zentrums betätigen. Für ein zielgerichtetes Vorankommen ist es nötig, meine Maschine gekonnt zu manövrieren – es ist notwendig, zu sein.
Es ist nötig, das von mir gesteuerte Gefährt ganz genau zu kennen – meine niederen Zentren, meinen Körpertyp und meine Features, meine Gewohnheiten hinsichtlich innerlichem Sich-Richten, Identifikation und negativen Gefühlen. Es ist nötig zu wissen, wie diese Funktionen nutzbringend für mein Ziel einzubringen sind oder wie sie anderseits im Zaum gehalten werden, so dass sie mich nicht vom Kurs abbringen.
Um zu sein, bedarf es der Entwicklung eines umfassenden Systems von Selbstkenntnis, dargestellt mittels einer sich nach unten öffnenden Pyramide. Gleichzeitig muss ein erhabenes Ziel darüber schweben, gleich einer sich nach oben öffnenden Pyramide. Von unten her wirken mich hochstossende Kräfte, von oben her werde ich hochgezogen, angetrieben von der Notwendigkeit, meine Maschine zu optimieren und von der Notwendigkeit, sie gänzlich zu überwinden.
Um zu sein – um durch die Windschutzscheibe vor meinem Kopf hindurchzusehen während ich mein Tagespensum erfülle – müssen diese beiden Pyramiden in einem einzigen Punkt zusammentreffen: in diesem gegenwärtigen Atemzug, in einem Zustand, der sich ich bin nennt.

„Sich an sich selbst zu erinnern bedeutet dasselbe wie sich seiner selbst gewahr zu sein – ‘ich bin’. Manchmal geschieht es von selbst; es ist ein ganz ungewohntes Gefühl. Es ist weder Funktion noch Denken noch Fühlen; es ist ein anderer Zustand von Bewusstsein.“ –
Peter Ouspensky