Der prähistorische Gurdjieff

George Gurdjieff war ein Mystiker, der im 19. und 20. Jahrhunderts das Wissen um alte Weisheiten mit neuem Leben erfüllte. Er lebte auf der Schwelle zweier Zeitalter: Er erlebte das Ende einer vorindustriellen Gesellschaft und übertrug deren Erbe in eine Welt, in der Mythologie und Symbolismus quasi nicht mehr existierten.

Bereits als Jugendlicher ahnte Gurdjieff, dass es ein Wissen geben müsse, das den Menschen in die Lage versetzte, sich selbst zu transzendieren. Und er fühlte, dass solche Kenntnisse nur mit besonderen Anstrengungen errungen werden könnten. Also organisierte er Forschungsreisen in exotische Länder, um nach verschollenen Traditionen zu suchen und traf schließlich auf eine geheime Bruderschaft. Alles was wir über seine „Lehrjahre“ wissen, ist autobiographisch und vom Autor ganz bewusst in einen geheimnisvollen Nimbus gehüllt. Gleichwohl, als er 1910 in Russland in Erscheinung trat, war er unzweifelhaft im Besitz eines einzigartigen Systems der Selbstentwicklung.

Gurdjieffs Ägypten, bevor es zur Wüste wurde

Gurdjieff behauptete, während einer seiner Expeditionen eine Karte Ägyptens gefunden zu haben, die das Land noch vor dem Vordringen der Wüste darstellte. Diese vermeintliche Karte galt als Beweis für eine Zivilisation, die lange vor der Zeit, die wir als das dynastische Ägypten anerkennen, existierte – eine fortgeschrittene, prähistorische Kultur, deren Erbe letztendlich für jede menschliche Weisheit verantwortlich zeichnet. Damals hatte der Sand Nordafrika noch nicht in das verwandelt, was wir heute die Sahara nennen, und der Kontinent war einer der blühendsten und zivilisiertesten Plätze auf Erden. Der Mensch befand sich in einem engeren Verhältnis zur Erde, zum Himmel und – am allerwichtigsten – zu sich selbst.

Die Behauptungen von geheimen Bruderschaften und längst verlorengegangen Karten verliehen Gurdjieff den Ruf eines Mystikers, der zwar kenntnisreich, aber überspannt, tiefgründig jedoch widersinnig war. Auf dieser Internet-Seite sehen wir die Authentizität seiner Geschichten jedoch nur als zweitrangig an. Ob er nun wirklich eine antike Karte gefunden hat, oder ob er sie vielmehr als ein Mittel erfunden hat, um seine Schüler dazu zu bringen selbständig zu denken, statt sich lediglich einem blinden Glauben zu ergeben: Wir halten Gurdjieffs Vision eines vor der Wüste bestehenden Ägyptens für eine Metapher, eine Parabel – ein Prinzip.

Gurdjieffs Wüste

Zeit hat Weisheit stets im Sand begraben, sie mit Dschungel überwuchert oder sie in Fluten ertränkt. Immer wieder hat Zeit das Beste in menschlichen Lehren verzerrt, sie zu einem Dogma verfälscht oder zu einer Religion politisiert. Wir sehen Gurdjieffs Sicht eines prä-dynastischen Ägyptens als einen Verweis auf menschliche Weisheit, bevor sie verzerrt wurde, auf die Lehre, die jeder Religion voraus gegangen sein muss und den Mythos, dem jedes Dogma zugrunde liegt. Dies waren die Edelsteine, die er gefunden und ausgegraben hatte und in ein neues Zeitalter hinüberrettete.

Zeit wirkt auf jede Epoche genauso wie der Wind Dünen in der Wüste umschmeichelt und dabei die Spuren früherer Generationen bedeckt . Deshalb muss jedes Zeitalter von Neuem graben, um das zutage zu fördern, was seine Ahnen versuchten, zu seinem Wohl zu hinterlassen. Gurdjieffs Expeditionen waren genau solche Ausgrabungen. Was als Ritual oder Mythos vergraben war, grub er aus und übersetzte es in die wissenschaftliche Sprache des industriellen Zeitalters. Er wusste, dass ein Lehrer alter Weisheit ein Archäologe sein musste; dass nicht jedes Zeitalter das Rad neu zu erfinden, sondern es nur neu zu entdecken hat.

Die Wiederentdeckung Gurdjieffs

Hundert Jahre später droht das Erbe Gurdjieffs neuerlich im Sand zu versinken und es ruft geradezu nach einer „Wieder-Entdeckung“. Die Vitalität seiner Lehre wird durch immer neue Sandschichten getrübt. Ein neues Zeitalter ist angebrochen: Die Ära von Computern und vom Internet. Gurdjieffs Quellen sind unwiederbringlich verschüttet, doch ihr Geist ist immer noch zugänglich: Der Geist alter Weisheit lebt weiter, so lebendig wie in jedem Zeitalter und bahnt sich seinen Weg von einer Generation zur nächsten.

Diese Website möchte Gurdjieffs Karte eines prä-dynastischen Ägyptens neu entwerfen. Sie möchte den Ursprung der Lehre Gurdjieffs von einigen Staubschichten befreien.

Um diese unschätzbaren Lehren in unser Zeitalter zu transportieren, werden hier regelmäßig Beiträge veröffentlicht werden, die sowohl die alten Traditionen behandeln, auf die Gurdjieff sich berief, als auch seine Kommentare dazu.